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Vor einem Monat hätte ich nie daran gedacht einmal nach Japan zu reisen. Ich wusste viel zu wenig über die Faszination, die eigentlich von Land und Leuten ausgeht und auch wenn Tokyo in „nur“ knapp 5 Flugstunden von Hong Kong aus erreichbar ist, war das Land bisher nicht auf meiner Reise-Wunschliste vertreten. Auch unter den anderen Austauschstudenten fanden sich nur sehr wenige die in Erwägung gezogen haben, während ihres Semesters in Hong Kong nach Japan zu fliegen. Dafür standen Ziele wie Thailand, Bali, die Philippinen und natürlich China selbst viel zu hoch im Kurs. Doch als Dany mich vor zwei Wochen auf ein verlockendes Paket von Cathay Pacific aufmerksam gemacht hatte habe ich nicht lange überlegt und mir wurde klar, dass ich die Gelegenheit nicht so schnell wieder bekommen würde nach Japan zu kommen. Vergangenen Freitag ging es dann früh morgens los und uns standen 4 Tage Tokyo bevor.

Hier ein paar der Erlebnisse und Eindrücke, die ich gewinnen durfte:

  • Erste Erkenntnis auf dem Weg zum Hotel: In der U-Bahn schlafen auffallend viele der Fahrgäste und betreiben das sogenannte Power-Napping per excellence. Lustig ist, wie bei jeder Haltestelle die Augen langsam aufgehen und sich nach und nach die Köpfe kurz erheben. Kurz darauf wird es wieder fast schon unangenehm still, sodass wir Touris sicherlich jedes Mal aufgefallen sind, als wir uns ganz normal in der unterhalten haben. Allerdings schien dies absolut niemanden zu stören und obwohl wir schon durch unser Äußeres aufgefallen sind starrt einen im Gegensatz zu z.B. Mainland China niemand an. Ich bilde mir irgendwie ein, dass dies an der Toleranz und der allgemeinen Gelassenheit und Ruhe, die die Japaner ausstrahlen, liegt. Zudem sind die Menschen extrem freundlich und zuvorkommend und zwar auf eine sehr natürliche und ehrliche Art und Weise.
  • Apropos U-Bahn: Sowas hab ich noch nie erlebt: Zunächst einmal ist die Stadt und damit die Anzahl an Bahnlinien riesengroß. Tokyo ist nicht umsonst die größte Stadt der Welt mit den meisten Einwohnern – Die Metropolregion Tokyo hat über 35 Millionen Einwohner. Schaut man auf den U-Bahnplan erinnert das Ganze doch sehr an eine Zeichnung eines 5-Jährigen, der alles aus seiner Packung Buntstifte herauszuholen versucht, indem er sein Blatt mit bunten spaghettiähnlichen Linien verziert.
  • Sprache: Vom Klang des Japanischen bin ich ganz begeistert. Allein schon wie man hier „Arigato“ ausspricht– einfach herrlich. Auf jeden Fall gefällt mir die Sprache wesentlich besser als Mandarin oder Kantonesisch, obwohl ich über die drei Wörter Hallo, Danke und Auf Wiedersehen selbst in der kurzen Zeit nicht hinausgekommen bin.
  • Sushi: eh klar, lecker und überall zu haben. Aber auch andere Gerichte, wie Suppen oder Nudeln waren sehr gut.
  • Gestern, am 11. März waren wir auf dem Tokyo Governmental Building, um die Aussichtsplattform dort zu besuchen. Im Aufzug fiel uns ein Infoblatt auf, welches über die Schweigeminute um 2:46pm für die Opfer des Tsunamis an der Ostküste Japans mit all seinen Folgen aufklärten. Zufälligerweise waren wir genau zu dieser Zeit auf der Besucherplattform und konnten somit daran teilnehmen. Unfassbar, dass das Ereignis bereits ein ganzes Jahr her ist.
  • Mode: Bei dem Thema muss ich mich schon wieder des ein oder anderen Superlativs bedienen – Jeder, der mit Namen wie der „109“ Mall oder der Takashita Street in Harajuku etwas anfangen kann, wird mir hier Recht geben. Abgesehen von den generell sehr modebewussten Japanern, die man auf der Straße trifft – insbesondere deren weibliche Vertreterinnen – setzt „109“ noch einen oben drauf: Die Mall befindet sich am bekannten Times Square, eine große Kreuzung über die bei jeder Grünphase mehrere Hundert Menschen die Straßenseite wechseln. Über zehn Stockwerke erstrecken sich absolut abgefahrene Läden voller Kleidung und Accessoires, allerdings ausschließlich für junge Frauen. Das männliche Publikum würde ich auf etwa 2% schätzen, uns vier Jungs (Brody, Farzin, Dany und mich) bereits miteingerechnet. Danke an dieser Stelle an Leigh, die – ebenfalls fasziniert von diesem Ort – mit uns über alle zehn Stockwerke hinweg „Alibishoppen“ gegangen ist.
  • Einen Tag später sollte sich herausstellen, dass selbst das noch in den Schatten gestellt werden kann. Und zwar vom Stadtteil Harajuku. Hier tummeln sich wiederum hauptsächlich junge Leute in einer recht engen Straße mit wiederum verrückten japanischen Modegeschäften. Ich kam mir mit meiner Jeans vor wie jemand der zufälligerweise ohne Kostüm am Kölner Rosenmontagszug teilnimmt. Auch hier kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Selbst Lady Gaga würde hier wahrscheinlich als konservativ gekleidet auffallen.
  • Gleich nebenan befindet sich Yoyogi Park, ein etwas surreal wirkender Ort, an dem sich alle möglichen Künstler und Alternativen aufhalten und jeden Sonntag ihren Hobbies nachgehen. Wie gut, dass wir zufällig Sonntags hier vorbeikamen. Begrüßt wurden wir von einer mehrköpfigen Rockabilly Dance Gang, die sich mit einer weiteren Tanztruppe ein Duell geliefert hat. Kurz danach kommt uns ein Japaner entgegen, der mit einem riesen Hasen Gassi geht und im Park mit einem kleinen Jungen spielt. Außerdem gab es Theaterproben in irren Kostümen, Breakdancer, Kampfsportübungen und einen Poweriser-Akrobaten (Poweriser sind diese Sprungfederschuhe, die wohl spätestens durch Wetten… Dass…? bekannt geworden sein dürften)
  • Sakura: Das Glück war wohl mit uns: Ohne dass wir es vorher geplant hätten, beginnt in Tokyo in wenigen Tagen die Kirschblüte, eines der Hauptereignisse in Japan. Immerhin war der ein oder andere Kirschbaum bereits leicht am Blühen.

Für den Rest des Monats werde ich mich wieder Hong Kong widmen und versuchen wieder etwas Ruhe in mein Leben einkehren lassen, wenn das hier überhaupt möglich ist. Die letzten Wochen waren schließlich sehr ereignisreich. Ein kleiner Ausblick, was noch kommt: Anfang April stehen zwei Wochen China auf dem Programm. Die Route steht bereits fest: Hong Kong – Guilin – Shanghai – Peking und zurück. Zwei Flüge sind gebucht, den überwiegendenTeil fahren wir mit dem Zug. Davor bekomme ich aber erstmal Besuch von meiner Familie, auf die ich mich schon wie ein Schnitzel freue 😉

Sayonara!

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